Wabi Sabi und die Kunst, ein unperfektes Foto zu machen

Wabi Sabi wirklich zu erklären, erfordert mehr, als ich kann. Man sollte tiefes Verständnis für die japanische Kultur und Philosophie haben. Beides ist mir leider nicht gegeben, ich frage mich sogar, ob es einem „Westler“ überhaupt gegeben sein kann. Selbst ZEN, das doch so einfach zu sein scheint – sitzen und nichts denken und nichts tun -, ist komplexer als ich es erfassen kann. Ich bin nach vielen Jahren des darüber Nachdenkens zu der Überzeugung gelangt, dass sich alles Japanische auf zwei Aspekte reduzieren lässt: Ästhetik und Minimalismus. 

Ästhetik ist dabei nicht Perfektion, sondern das Gegenteil: Im Imperfekten, Unbeständigen, Unvollkommenen liegt, was japanische Kunst auszeichnet. Wer sich mit Buddhismus beschäftigt, wird umgehend an „Leiden“, „Leere“ und „Vergänglichkeit“ denken – und richtig liegen. Wabi Sabi ist vom Buddismus beeinflusst. Es geht um das Natürliche, Reine, Klare. Immer scheint etwas zu fehlen, doch schaut man genauer, fehlt eben doch nichts. Manche japanische Bilder lassen mich fragen, ob jemand oder etwas aus dem Bild gelaufen ist oder genommen wurde. Minimalismus ist existenziell für japanische Kunst und Kultur. Nichts wird hervorgehoben, nichts betont. Was zu sehen ist, ist nicht so wichtig wie das, was nicht zu sehen ist. Das Nichts ist ebensoviel wert wie das Etwas. 

Wabi Sabi wertschätzt das Einfache und die Wirkung von Zeit auf ein simples, alltägliches Objekt. Seitdem ich mich mit analoger Fotografie und innerhalb dieser mit Mittelformat beschäftige, bin ich wieder zu Wabi Sabi zurückgekehrt. Warum ich mich davon abgewandt hatte? Weil ich zu hektisch war, zu wenig fokussiert – oder zu wenig auf das Nichts fokussiert. Ohne Nichts gibt es kein Bild. Das hatte ich womöglich vergessen. Nun also beschäftige ich mich wieder damit. Dass in meiner Interpretation von Wabi Sabi verstorbene Bäume vorkommen, ist fast zwangsläufig.

Diese Bilder entstanden mit einer fast 50 Jahre alten Mamija C330 auf Ilford HP5. Ich habe diese Motive schon länger im Sinn, doch nun war der Tag da, an dem ich sie endlich in Szene setzen konnte. Analogfotografie wie ich sie betreibe, braucht Zeit und passende Bedingungen, aber auch die Gelassenheit, das anzunehmen, was einem angeboten wird. Es gibt kein perfektes Analogbild, es gibt nur Authentizität. Dafür muss man bereit sein.

Alle Fotos sind als Fineart-Prints auf Hahnemühle-Papier oder als Abzüge auf hochwertigem Fotopapier erhältlich. Alle Bilder werden stets in Galeriequalität produziert. Die Größe ist (fast) beliebig wählbar, das Format ist jedoch stets vorgegeben. Meine Arbeiten sind stets limitiert, in diesem Fall auf jeweils 10 Exemplare.


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