Putz- und Flickstunde

Sensorflecken sind ein Ärgernis. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, sie sind Teufelswerk. Klar, sie entstehen durch eigenes Verschulden. Aber welcher Fotograf sieht sich nicht hin und wieder oder auch öfter in der Not, im Freien oder in nicht sauberen Räumen ein Objektiv zu wechseln? Man kann noch so schnell und noch so vorsichtig sein, das eine Staubkorn, die eine Blütenpolle, der eine Kristall findet seinen Weg ins Kameragehäuse und von dort beim nächsten Spiegelschlag (Ich bin bekanntermaßen DSLR-Fotografin.) auf den Sensor. Und schon ist es passiert: Ein deutlicher Fleck ist auf dem Foto.

Unbearbeitete RAW-Datei in JPG konvertiert. Links oben zwei prägnante Sensorflecken.

Photoshop* hilft schnell und unkompliziert mit den Shortcuts <J> oder <S>, das Problem ist also in der Regel schnell zu beheben. Doch nicht immer erscheint der Störenfried auf gleichmäßigen Flächen, etwa auf dem Himmel. Der Teufel will’s oft genug, dass der Klecks inmitten komplizierter Astgebilde mühsam herausgestempelt werden muss und das bei mehreren Sensorflecken eben auch mehrmals. Dann nervt’s. Dann ist eine Sensorreinigung fällig.

Ich bin Nikon-Fotografin seit den Achtzigern und werde es wohl auch noch eine Weile bleiben, solange sich nichts Besseres findet (und Hasselblad mir um ein Vielfaches zu teuer ist). Also wäre mein erster Weg zu einem Nikon-Service-Center, wo meine Kamera für 59 Euro gereinigt werden würde. Die Alternative ist der Händler. Ich habe einen, denn mein Equipment kaufe ich nicht bei X oder Y im Internet, sondern bei Calumet. Da bekomme ich Beratung, Kundendienst, Leihgeräte und vieles mehr. Teurer als bei X oder Y ist es auch nicht. Die Reinigung meiner Nikon D750 würde mich dort 49 Euro kosten.

Den Spaß habe ich mir jahrelang gegönnt, notfalls alle paar Monate. Ich bin nun einmal Naturfotografin, die sich nicht im Studio aufhält, sondern dort herumtreibt, wo’s staubig und dreckig ist. Kurz gesagt, es wurde auf Dauer ziemlich teuer. Also machte ich mich ans Werk, bei Youtube Videos von seriösen Fotografen zu suchen, die zeigen und erklären, wie man die Kamera selbst reinigt. Das sah im Grunde recht einfach auch, trotzdem hatte ich noch eine ganze Weile Hemmungen. Bis bereits ein paar Wochen nach dem Kauf meiner Nikon D750 ein fetter Fleck auf deren Sensor prangte. Genau auf dem linken oberen Drittelkreuz. Nun hatte ich genug. Ich war finanziell noch ein wenig angegriffen wegen diverser Neuanschaffungen – der zu investierende Fuffziger tat mir durchaus weh.

Also ab zu Amazon, ein Sensorreinigungsset für irgendwas zwischen 20 und 25 Euro (für sechs Anwendungen) erstanden, allen Mut zusammengenommen und losgelegt. Es hätte nicht einfacher sein können:

  • Hände waschen, Tisch feucht wischen, Benötigtes bereitlegen.
  • Objektiv entfernen und erst mit einem Blasebalg behandeln, dann mit einem absolut fusselfreien (!) Mikrofasertuch und Spezialflüssigkeit die Gläser und das Bajonett reinigen. Ich nehme ein Spray, das ich auch für meine teuren beschichteten Kunststoffbrillengläser verwende. Nicht ganz billig, aber aus Erfahrung gut.
  • Kameraschacht gründlich mit einem Blasebalg ausblasen, die Kamera dabei mit der Öffnung nach unten halten, damit der Staub herausfallen kann.
  • Mit derselben Flüssigkeit wie ich sie für das Objektiv benutzt habe, über den Bajonettanschluss putzen und auch ein wenig ins Innere des Kameragehäuses gehen. Vorsichtig agieren!
  • Die Verpackung der Sensorreinigungspads aufreißen und griffbereit halten. Beim Kauf unbedingt auf die richtige Größe achten: MFT, APS-C oder Vollformat.
  • Zuletzt die Kamera einschalten, im Menü auf Inspektion gehen und den Spiegel hochklappen. Das Pad ohne Druck langsam aber zügig im etwa 45 Grad-Winkel einmal von links nach rechts und mit der anderen Pad-Seite wieder zurück über den Sensor gleiten lassen.
  • Kamera ausschalten, der Spiegel klappt zu. Objektiv drauf, Testaufnahme machen. Gegebenenfalls muss das Procedere wiederholt werden, wenn nicht alle Flecken entfernt wurden. Bei älteren kann es nötig sein, den Sensor mehrmals zu reinigen.

Das war’s. Bei mir hat die ganze Aktion inklusive Objektiv ein paar Minuten gedauert. Die verbleibenden fünf Pads werde ich sicher bald brauchen können.

Mein Fazit: Zeit gespart, weil ich die Kamera nicht verschicken musste. Geld gespart, weil ich für maximal 25 Euro sechs Reinigungen bekomme anstatt für rund 50 Euro eine einzige. Die Erkenntnis, dass ich, wenn ich es wirklich nicht hinbekomme, immer noch die Fachleute bemühen kann.


*Transparenzhinweis: Ich werde von Adobe mit einem CC-Abo unterstützt.


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