Alternativen zu Photoshop

Adobe-Produkte sind komplex und für höchste Ansprüche professionell tätiger Medienschaffender tauglich. Doch die Abo-Lösung der Creative Cloud ist mit ab 12 Euro monatlich für mindestens ein Jahr nicht für jeden Anwender erschwinglich. Das macht die Suche nach einem RAW-Entwickler und einer Bearbeitungssoftware erforderlich, die entweder kostenlos oder für wenige Euro zu haben ist. Ich habe mich umgesehen und stelle ein paar Programme vor.

Lightroom

Photoshop ist ein nahezu perfektes Tool für Bildbearbeiter, doch es kann so viel, dass man als Fotograf schlicht nur einen Bruchteil benötigt. Die immer weiter zunehmende Funktionsfülle bläht das Programm mit jedem neuen Update immer weiter auf, bremst so manchen flotten Rechner aus und macht die Bedienung manchmal unnötig schwer. Also arbeiten viele mit Lightroom. Die Bedienung ist eingängig, das Katalogsystem – sofern man es mag, was ich nicht tue -, ist einzigartig auf dem Markt. Doch es hat einen großen Nachteil: Es erfordert das Abo, das ich oben erwähnt habe: Lightroom ist ein Teil der Adobe Creative Cloud. Abonniert man Lightroom, bekommt man Photoshop „gratis“ dazu (oder vice versa). Und schon sind wir wieder beim Preis und beim Abo-Modell. Warum Adobe Lightroom nicht auskoppelt und einzeln für, sagen wir, einen Fünfer monatlich anbietet, weiß nur Adobe.

Capture One

Capture One muss man in einem Atemzug mit Photoshop nennen, auch wenn das Konzept ein bisschen anders ist. Es adressiert Fotografen und Bildbearbeiter und legt einen Schwerpunkt auf Farben. Porträtfotografen stehen auf Capture One und bezahlen gern den Preis. Der liegt mit der Adobe Creative Cloud gleichauf. Also auch hier: Viel kostet viel. Das muss doch auch anders gehen?!

Affinity Photo

Es geht anders! Das beweist seit einigen Jahren Affinity Photo. Ich habe es gekauft (55 Euro) und getestet. Genau genommen teste ich es immer wieder mal. Noch kann es nicht alles so gut, was ich bei Photoshop schätze und nutze, etwa das Entfernen von Objekten in komplexen Bildteilen. Da ist Photoshop wohl noch eine ganze Weile führend. Ich meine damit nicht das Austauschen von Elementen, sondern schlicht das „Wegstempeln“ etwa von Sensorflecken oder anderer Störer. Kein Programm kann das so schnell und zuverlässig und mit so vielen verschiedenen Tools wie Photoshop. Doch Affinity hat sich mit seiner mittlerweile zur Suite weiterentwickelten Software einen Marktstellung erarbeitet, die aller Ehren wert ist. Ich nutze beispielsweise den Publisher, der nahtlos mit Photo und Designer zusammenarbeitet. Ein echter Preis-Leistungs-Tipp, zumal Affinity auch auf dem iPad eine sehr brauchbare App für 22 Euro am Start hat.

Luminar

Noch eine Software, die längst kein Geheimtipp mehr ist und die Bildbearbeiterszene seit spätestens der dritten Version gewaltig aufmischt, ist Luminar. Seitdem verfügt es auch über eine Art Bildverwaltung, die allerdings noch viel Kritik einstecken muss – auch von mir. Da ich Photoshop abonniert habe, ist ich auch Bridge inkludiert, was ich gern nutze. Es lässt mir alle Freiheiten im Gegensatz zu Lightroom und kann dennoch alles, was ich erwarte. Da muss Luminar noch viel lernen. Aber die Bildbearbeitung ist eine Wucht! Seit der eben herausgekommenen Version 4 hat sich das Handling ein wenig verändert, die Arbeitsfläche ist cleaner geworden. Mir gefällt das. Ich mag eigentlich alles an Luminar und nutze es für jedes Bild für das Feintuning – nach der Grundbearbeitung mittels Photoshop. Auch Luminar vergeigt nämlich das Entfernen von störenden Elementen fast regelmäßig. Bei einfachen Strukturen funktioniert noch alles, aber einen Fleck in einer Wiese oder im Geäst eines Baumes bekommt nur Photoshop sauber und ohne Artefakte weg. Die RAW-Entwicklung von Luminar ist okay, allerdings fehlt mir noch immer eine automatische Objektiverkennung bei der Verzerrungskorrektur. Auch da ist Photoshop führend. Seinen Preis von nun 89 Euro ist Luminar definitiv wert und steckt Affinity Photo meiner persönlichen Meinung nach locker in die Tasche.

Rückblick in die gute alte Zeit der Laborentwicklung

Bevor ich zu den auf den Plätzen folgenden Programmen komme, habe ich hier ein Video für Sie. Ich bekomme immer wieder gesagt, dass „wir“ doch nur noch an unseren Bildern herumdoktern würden, das habe man früher nicht gemacht. Früher sei mehr Fotografie gewesen und weniger Bildbearbeitung. Sind Sie auch dieser Ansicht? Dann ist dieses Video was für Sie. Für alle anderen, die Laborarbeit nicht mehr kennen, ist es lehrreich, denn es zeigt, was alles möglich war.

Und damit weiter im Text. Es gibt nämlich noch weitere heiße Eisen, die viel können und – erstaunlicherweise – nichts kosten. Die bekanntesten Programme stelle ich nachfolgend kurz vor, allerdings kenne ich sie persönlich nicht allzu gut. Ich habe sie zwar „angespielt“, konnte mich aber für keines wirklich erwärmen. Mein Workflow ist und bleibt (vorerst): Bridge für die Verwaltung, Photoshop für Entwicklung und Bearbeitung sowie Luminar fürs Finetuning.

RawTherapee

Der Gratis-RAW-Konverter kann vieles, aber ist sehr umständlich in der Bedienung. Man braucht viel Zeit, sich einzuarbeiten, die Vielzahl an Einzelfunktionen und Wirkung der Regler zu testen und sich das Programm zu individualisieren. Ich höre oft, man solle es ausprobieren, wenn man Geld sparen will, ich kenne aber niemanden, der es auch nur semiprofessionell nutzt.

Darktable

Definitiv mehr als nur einen Blick wert ist Darktable. Mein persönlicher Test hatte ergeben, dass man damit gut arbeiten kann. Ob saubere und standardisierte sowie kopierbare RAW-Entwicklung oder Detailbearbeitung mittels Masken – dieses Programm kann es. Was fehlt? Ein gutes Tool für die contentbasierte Entfernung von störenden Elementen. Da versagt Darktable leider völlig.

On1 Photo RAW

Den oben genannte Darktable würde ich bei der Suche nach einem für mich geeigneten Programm gegen On1 Photo RAW antreten lassen. Überzeugender ist das Retuschewerkzeug von On1, weniger vom Hocker reißt mich das Entwicklungstool. Was einem wichtiger ist, sollte im Vordergrund stehen. Die Bedienung beider RAW-Konverter und Bildbearbeiter überzeugt – wenn man nicht auf das cleanere Design von Luminar steht. Aber das kostet eben Geld …

Alienskin Exposure 

Hierzu fällt mir nur eines ein: Wer seine Bilder nicht sauber entwickeln, sondern ziemlich stümperhaft verfälschen und manipulieren möchte, etwa durch künstliches Bokeh, sollte sich mit Exposure beschäftigen. Ich finde es fürchterlich und kenne niemanden, der damit arbeitet.

Nik Collection

Kennt die noch jemand? Seitdem Adobe die Nik Collection aus den Photoshop-Plugins geschmissen hat und sie von Google verkauft und damit (wieder) kostenpflichtig wurde, ist sie weitgehend vom Radar verschwunden. Der Schwerpunkt der Nik Collection lag und liegt auf automatischer Bearbeitung. Man selbst kann zwar Einfluss nehmen, aber das ist nicht der Sinn und Zweck dieses Programms. Die Ergebnisse sind erstaunlich gut, doch es sind eben nicht mehr die eigenen Bilder … Und noch ein, für mich gravierender Nachteil spricht leider gegen die Nik Collection: Sie bearbeitet keine RAW-Dateien und die kostenlos noch durchs Web geisternde Gratis-Version unterstützt keine aktuellen Betriebssysteme mehr.)

Schlusswort und meine Meinung

So, das war mein Überblick – ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Sie sehen schon, bei den Gratisprogrammen habe ich zwei Favoriten; bei den zu bezahlenden schätze ich Luminar und dessen seit Jahren ständige Weiterentwicklung. Jetzt hätte ich es noch gern auf dem iPad. An Photoshop geht für mich nichts vorbei, wobei ich durchaus offen bin für einen Umstieg auf Luminar. Irgendwann.


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