Fotografie ist Arbeit – an sich selbst

Ich bekenne mich schuldig. Auch ich gehöre zu denen, die auf Technik abfahren, wenn es um Fotografie geht. Es muss nicht diese oder jene Marke sein – wobei ich bei Nikon seit Jahrzehnten festgelegt bin, was jedoch nicht in Stein gemeißelt ist – oder das teuerste vom Teuersten. Mir geht es darum, Equipment zu besitzen, mit dem ich arbeiten kann und das Ergebnisse bringt, die ich mir wünsche. Der Rest liegt an mir. Und damit sind wir beim heutigen Thema: Die kreative Vor- und Nacharbeit in der Fotografie.

Gute Bilder muss man planen. Die wenigsten entstehen durch Zufall, fast alle sind erarbeitet. Meist habe ich im Kopf, was ich fotografieren will und warte auf die passenden Bedingungen, also Jahres- und Tageszeit, Licht- und Wetterverhältnisse sowie die Möglichkeit, dorthin zu kommen, wo ich das Motiv finde. Beispiel: Urwald. Ich nutze schon länger eine App namens Bear, die meine Ideen und Planungen aufnimmt und über alle meine Geräte synchronisiert. Eine tolle Sache! Und doch …

Daten sind praktisch, Handgeschriebenes sinnlich

Früher, also ganz viel früher, war ich Hobbyfotografin. Damals fädelte ich Filme in meine manuellen Kameras, arbeitete mit externen Belichtungsmessern, experimentierte, wartete auf die Negative – und hatte vergessen, was ich wie fotografiert hatte und warum. Also musste ein Büchlein her, das Ideen, Notizen und Gedanken zum gemachten Bild aufnahm. Das half ungemein. Heute spuckt jede digitale Knipse EXIF-Daten aus, die man interpretieren kann. Sehr hilfreich, aber wer analysiert schon diese Daten? Okay, beim Objektivkauf sind sie nützlich, denn man kann mit zwei Klicks erkennen, welche Brennweite man häufig und welche man kaum verwendet. Aber sonst?

Ich habe auch im digitalen Zeitalter ein paar Schmierzettel im Fotorucksack, um mir jederzeit Notizen machen zu können. Weniger zu technischen Aufnahmeparametern, sondern zu den Umständen, dem „Wie kam es überhaupt zu diesem Bild und was macht diese Erfahrung nun mit mir als Fotografin.“ (Interessanterweise ziehen auch meine Workshopteilnehmer und Coachees immer Zettel und Stift heraus, wenn ich etwas von mir gebe, das es sich offenbar zu merken lohnt.)

Für Gedanken und Inspirationen verwende ich keine App, da kommt der immer funktionierende Bleistift zum Einsatz. Auch wenn mich ein Thema anspringt, eine künstlerische Frage streift oder mir eine fotografische Aufgabe oder ein kleines Projekt in den Sinn kommt (lost places, analog fotografiert, zum Beispiel), kritzle ich es in ein kleines Heft. Für die weitere Ausarbeitung kommt dann die oben angesprochene App zum Einsatz.

Ich hatte sogar schon überlegt, selbst etwas zu basteln (programmieren möchte ich es nicht nennen), um meine fotografischen Bedürfnisse bei der Ideenausarbeitung und Projektentwicklung befriedigen zu können. Ein Kalender muss sein. Und ein Kreativteil. Etwas zum Mindmappen. Eine Todo-Liste. Aufgabenstellungen. Anregungen. Querverweise. Ziele. Eine Art Projektplanungs- und Umsetzungsplanungs- und -tagebuch. Gäbe es sowas, wüsste ich es und hätte es längst. Und dann flatterte mir ein Newsletter ins Postfach …

Meine geschätzte Kollegin Monika Andrae hat ja schon eine stattliche Liste an Büchern (und Podcasts, by the way) rund um die Fotografie vorzuweisen. Vor allem analog ist sie unterwegs, was sie wieder beziehungsweise jetzt stärker in meinen Fokus gebracht hat. Und diese Kollegin bringt just zu der Zeit, als ich danach suche, genau das heraus, was ich – nun ja: gesucht habe. (*Kopfkratz* Egal. Das bleibt jetzt so stehen.)

Manchmal muss man nur warten können …

Und nun ist es da. Erster Eindruck: Ups, es ist groß. Zu groß. Wobei … Hm … Es ist ja nicht zum Mitnehmen gedacht, sondern zum damit Arbeiten. Meine Schmierzettel finden gut Platz darin, nach und nach kann ich sie übertragen und Themen für sie finden. Rausfallen können sie nicht, weil ein Gummi das Buch zusammenhält. Gefällt mir. Ich blättere ein bisschen herum.

Kalender? Check. Projektplanungsteil? Gut! Inspirierende Tipps? Ich muss grinsen. Tatsächlich finde ich Neues. Hatte ich nicht erwartet. Aufgaben? Interessant, dass die mich gerade als Wiedereinsteigerin in die Analogfotografie ansprechen. (Abholen nennt man das marketingsprachlich und ja, es stimmt, ich fühle mich eingeladen.) Kritisch prüfe ich, ob ich mein Urwaldprojekt mit diesem Arbeitsbuch hätte planen und durchführen können. Hätte ich. Okay, die ganzen Links sind naturgemäß nicht übertragbar, aber darum geht es ja auch nicht. Es geht darum, dass wir Menschen durch das Haptische des Blätterns und Schreibens mit neuen (eigentlich alten) Sinnen zu Werke gehen. Nicht grundlos geht der Trend zurück zu „analogen“ Notizbüchern und Tagebüchern. Auch bei mir.

Ach, ich mach’s kurz: Mir gefällt richtig gut, was ich da in Händen habe. Ich werde damit im Rahmen meiner Analogfotografie arbeiten. Ich bin gespannt und werde berichten!


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