RAW vs JPG – der Vergleich

Das Thema kommt immer wieder auf den Tisch, weil es offenbar die Gemüter bewegt. Was falsch sei an von der Kamera produzierten JPG, werde ich häufig gefragt, wenn ich kund tue, dass ich ausschließlich in RAW fotografiere. Falsch ist daran eigentlich nichts. Oder wenig. Manchmal aber auch mehr.

Sportfotografen und Pressefotografen bevorzugen JPG, allein deshalb, weil es auf Schnelligkeit ankommt. Am Besten, die Kamera schickt die Bilder unmittelbar an die Bildredaktion oder Agentur, denn Zeit ist Geld. Wer der Erste ist, der eine spektakuläre Szene oder ein Tor übermittelt, dessen Foto wird gekauft. Die technische Qualität ist weniger entscheidend als die Bildaussage.

Zeit ist Geld. Oder schafft Qualität.

Bei mir ist es anders. Meine Motive halten (in der Regel) still und Eile ist auch bei der Entwicklung und Bearbeitung meiner Fotos nicht geboten. Also nehme ich mir die Zeit, ein Bild so zu entwickeln, wie es angemessen ist. Ich orientiere mich dabei ganz grob an zwei Eckpunkten: Der Stimmung vor Ort – kühl oder warm, ruhig oder hektisch – und den Farben und Kontrasten, die ich vorfinde.

Die Kamera erkennt das nicht. Sie weiß nicht, ob die Unschärfe von weichzeichnendem, romantischem Nebel stammt oder ob Schnee von uns Menschen als weiß wahrgenommen wird und nicht als blau oder grau. Auch hat sie keine Ahnung, ob ich einen pastelligen Sonnenaufgang oder einen knalligen Sonnenuntergang ablichte. Sie misst und rechnet, ermittelt dann einen Durchschnittswert und wirft ein fertiges Foto aus. Dass das ein bisschen bis ganz anders aussehen kann als das, was ich entwickeln würde, hätte ich ein RAW, kann man anhand dieser Fotos erkennen:

(Klick auf die Bilder vergrößert.) Hätten Sie gewusst, welches Foto ein RAW ist und welches das fertige JPG? Ich sag’s Ihnen: Das linke ist ein RAW (bzw. ein DNG), das rechte Foto das JPG, wie es meine Nikon D750 aus den linken Daten interpretiert hat. Es ist dasselbe Foto, nur eben das eine ohne jede Bearbeitung und das andere automatisch angepasst. Wie sie aus der Kamera auf meinen Computer geladen wurden, sehen Sie sie hier. Nicht einmal ausgerichtet oder beschnitten habe ich es.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich finde das JPG flach, farblos, unscharf, kontrastarm, langweilig. Noch ein Beispiel:

(Klick auf die Bilder vergrößert.) Okay, jetzt habe ich Sie ausgetrickst – oder doch nicht? Sie erkennen das RAW und das JPG? Ich kann mir nicht helfen, aber warum macht meine Kamera aus einem satten Grün ein blasses gelbgrün? Warum reduziert sie die Schärfe, warum nimmt sie Kontraste heraus und unterschlägt Details? Diese feinen Härchen an der Blattkante – fast alle weg! Gut, das sind rhetorische Fragen, denn ich habe oben erklärt, was die Kamera tut und warum sie’s nicht besser kann.

Ich werde mir die beiden Fotos mal ansehen, ob es lohnt, sie zu bearbeiten. Da bin ich ziemlich anspruchsvoll. Aber wenn, dann zeige ich Sie ihnen. Sie haben bestimmt eine Idee, was daraus werden wird, stimmt’s?


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